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Hohenzollernbrücke

Innige Verbindung für Züge und Liebende

Kaum ein Köln-Besucher lässt die Brücke links liegen. Menschen aus aller Welt schlendern über die Brücke, um von der Deutzer Seite aus Fotos vom Dom und von der Brücke zu machen. Zuvor knipsen sie schnell die Liebesschlösser oder hängen selbst einen Liebesbeweis an die Gitter der Eisenbahnbrücke. Damit hatten die Preußen sicherlich nicht gerechnet, als sie vor mehr als hundert Jahren eine Verbindung zum Hauptbahnhof schufen.

Die Preußen, wer sonst?

Die Hohenzollernbrücke galt als Prestigeobjekt der preußischen Herrschaft und als ein Symbol der Anbindung des Rheinlands an Preußen. Noch heute befinden sich an den links- und rechtsrheinischen Brückenköpfen vier original erhaltene Reiterstandbilder deutscher Könige und Kaiser der Hohenzollerndynastie. Die überlebensgroßen Denkmäler sind nicht unumstritten. Insbesondere das Denkmal von Kaiser Wilhelm II. gerät wegen dessen Kolonialpolitik und Judenfeindlichkeit immer wieder massiv in die Kritik.

Köln wird wichtiger Verkehrsknotenpunkt

Heute ist Köln ohne die Brücke kaum denkbar. Das war nicht immer so: Mit der Industrialisierung stieg das Verkehrsaufkommen in Köln. Dies führte dazu, dass die alte Dombrücke ab 1907 durch die Hohenzollernbrücke ersetzt wurde. Die neue Brücke war eine Eisenfachwerkbrücke mit neun Stahlbögen. Die Türme und Portalbauten im neoromanischen Stil der „Muusfall“ blieben erhalten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Brücke nur leicht beschädigt. Um den Einmarsch der Alliierten zu verhindern, sprengte die deutsche Wehrmacht Ende 1945 die Hohenzollernbrücke. Beim Wiederaufbau verzichtete man auf die Portale und Türme und in den 1980er Jahren wurde die Hohenzollernbrücke schließlich um einen weiteren Brückenzug erweitert.

Daten und Fakten

Die Vorgängerin im Stil der Burgromantik: die Dombrücke

Die direkte Vorgängerin der heutigen Hohenzollernbrücke war die im Jahr 1855 erbaute Dombrücke, die sowohl dem Bahn- als auch dem Straßenverkehr diente. Sie spiegelte den damaligen Innovationsgeist und die aufkommende technische und industrielle Leistungsfähigkeit wider. Bei ihrer Gestaltung orientierten sich die Brückenbauer an der damals populären Burgenromantik. Dies zeigt sich in den eindrucksvollen Portalen und Türmen an den Brückenköpfen. Aufgrund ihrer käfigartigen Konstruktion und der Möglichkeit, sie mit schweren Eisentoren zu verschließen, erhielt die Brücke von den Kölnern den Spitznamen „Muusfall“ (Mausefalle).

Einsturzgefahr unter der Last der Liebe?

Seit etwa Mitte der 2000er entwickelte sich die Brücke als Ort des Liebesschwurs. Paare hängen bunte Vorhängeschlösser an das Absperrgitter zu den Schienen. Mittlerweile sind es mehrere Hunderttausend. So Schätzungen. Ihr Gewicht rechnete mal vor 10 Jahren ein Mathematiker aus. Damals kam er auf circa 40 Tonnen, heute dürften es eher 60 Tonnen sein. Für die Brücke kein Problem: Ein zweiteiliger ICE wiegt das Zehnfache, etwa 625 Tonnen (Leergewicht).

Übrigens, auch die Sängerin Pink hat mal ein Liebesschloss in Köln mit dem Namen ihrem Namen, dem ihres Mannes und dem ihrer Tochter angebracht. Das belastet die Konstruktion aber nicht mehr: Es wurde nach einem Tag gestohlen.

Die kleine Schwester im Süden

Die Südbrücke wurde zeitgleich mit der Hohenzollernbrücke gebaut. Auch sie ist eine Eisenbahnbrücke. Ihre Einweihung fand im April 1910 statt. Auf Feierlichkeiten wurde jedoch verzichtet, da beim Bau des Mittelbogens zwei Jahre zuvor acht Arbeiter ums Leben kamen. Das Bauwerk aus Stahl, Sandstein und Fachwerkbögen gilt wegen seiner Brückentürme bis heute als Rarität. Im Januar 1945 wurde die Brücke schwer beschädigt. Im Gegensatz zur Hohenzollernbrücke blieben die Brückentürme nach dem Wiederaufbau erhalten und wurden 1994 teilweise erneuert. Für Architekturhistoriker ist die Südbrücke von großer Bedeutung für die Geschichte des Stahlbaus und die Ingenieurbaukunst. Es gibt nur noch wenige Exemplare dieses Brückentyps.

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